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Die Mantikerin

Der Röhrig Tarot — Eine Einführung — Teil 1

Immer wieder stehen Tarot-Anfänger vor der Frage, wel­ches Deck sie sich am besten anschaffen sollten. Viele meiner Schüler/innen inter­es­sieren sich dabei beson­ders für den Röhrig Tarot. Kein Wunder, es ist ein wirk­lich schönes Kar­ten­spiel mit dem Flair der frühen 1990er. Für mich hat es eine ganz beson­dere Bedeu­tung: Dank ihm habe ich meinen Mann ken­nen­ge­lernt — und wir haben vor vielen Jahren ein Buch dar­über ver­fasst. In der Ein­lei­tung zu Phan­ta­sti­sche Welten geben wir einige Hin­weise, wie du dich dem Deck am besten nähern kannst. Hier kannst du einige nach­lesen.

Vom Narren zum Gericht

Als ROE und ich uns auf der ersten Mit­glie­der­ver­samm­lung des Tarot e.V. 2004 in Mün­chen ken­nen­lernten, waren wir beide sehr erstaunt, dass es da noch jemanden gab, der/die gern mit dem damals recht unbe­kannten Röhrig-Deck beriet. Schnell kamen wir ins Gespräch.

Es war ein wenig wie mit Röh­rigs recht bekannten Narren: Plötz­lich ergänzte eine Sicht/Gesichtshälfte – wenn auch erst noch zusam­men­ge­stückelt – die andere, stellte bis­he­rige Inter­pre­ta­tionen in Frage und bemühte sich den­noch, mit dem gegen­über­lie­genden Blick­winkel zu ver­schmelzen. Den beiden ver­schmol­zenen Gesich­tern begegnen wir dann in Röh­rigs wun­der­schöner Karte Gericht. Für uns bedeu­tete das: Aus den Dis­kus­sionen ent­stand ein Buch.

Röhrig-Tarot: Bilderschlüssel für unsere Zeit

Zunächst sei einmal darauf hin­ge­wiesen, dass die Bot­schaft des Tarot vor­der­gründig lautet, dass es Geheim­nisse des Lebens zu ergründen gibt. Nicht anders sind Tarot-Karten meiner Ansicht nach zu deuten. Mit Aber­glauben und Humbug hat das nichts zu tun.“

Carl‑W. Röhrig

Carl‑W. Röhrig redet nicht über seine Karten, son­dern lässt seine Bil­der­welten spre­chen. Damit ist er in bester Gesell­schaft. Auch Arthur E. Waite tat dies 1909 mit seinem Bil­der­schlüssel zum Tarot. So gelang es dem gedank­li­chen Vater des welt­weit bekann­te­sten Tarot­decks, Geheim­nisse der spi­ri­tu­ellen Ver­ei­ni­gung Golden Dawn in seinen Karten ver­schlüs­selt dar­zu­stellen, ohne dabei sein Schwei­ge­ge­lübde zu bre­chen. Uns schenkten er und die Künst­lerin Pamela Colman-Smith dabei ganz nebenbei die bebil­derten Kleinen Arkana. Auch Alei­ster Crowley ließ dann etwa 30 Jahre später die Geheim­nisse seines Liber AL vel Legis, wenn auch wesent­lich expli­ziter als Waite, von Lady Frieda Harris zu spre­chender Kunst ver­ar­beiten.

Dass sich Röhrig bei seiner sehr ein­ge­henden Aus­ein­an­der­set­zung mit den Bedeu­tungen der 78 Karten und mit den Theo­rien seiner großen Vor­gänger von einer ebenso per­sön­li­chen Vision leiten lässt, ist offen­sicht­lich. Auch, dass er sich in den Großen Arkana sowohl an Crowley-Harris als auch an Waite-Smith stark ori­en­tiert und die beiden Decks immer wieder ver­mischt zitiert. Zusätz­liche Inspi­ra­tion erhält er durch den Tarot de Mar­seille.

Wie der Künstler bei der Aus­ar­bei­tung seiner modernen Arche­typen vor­ge­gangen sein könnte, lässt sich den Notiz­zet­teln ent­nehmen, die fast durch­gängig den Hin­ter­grund seiner Karten bilden. Bei­spiels­weise auf dem Magier. Diese Notizen sind mit seinen Gedanken, Skizzen (aus den Decks Waite-Smith, Crowley-Harris und Mar­seille) und Recher­chen zu den ein­zelnen Motiven ver­sehen und mit den vom Golden Dawn den ein­zelnen Karten zuge­teilten Stich­worten durch­woben. Bei näherer Aus­ein­an­der­set­zung mit diesen Zet­tel­frag­menten tauchst du immer tiefer in die Gedan­ken­welt Röh­rigs ein und kannst an seinem künst­le­ri­schen Schaf­fens­pro­zess teil­haben: einer inspi­rie­renden Mani­fe­sta­tion des Wil­lens, wie wir sie in Form einer Super­nova so deut­lich auf seinem Magier ver­kör­pert sehen.

 

Gleich­zeitig zeugen diese „Wort­fetzen“ auch davon, dass jede Beschäf­ti­gung mit dem Tarot – ob schöp­fe­risch oder inter­pre­ta­to­risch – immer nur sub­jektiv sein kann. Auch wenn wir uns durch das Ergebnis einer Legung der ewigen Wahr­heit noch so nahe fühlen mögen: Es wird uns nie gelingen, die eigenen Prä­gungen und Per­sön­lich­keits­struk­turen dabei hinter uns zu lassen. Gerade daran soll uns viel­leicht das Uni­versum erin­nern, das neben den Zet­teln auf fast allen Röhrig-Motiven im Hin­ter­grund durch­schim­mert. Seine Abwe­sen­heit auf man­chen Karten ist nahezu ver­dächtig, steht die Weite des Welt­alls doch nicht nur für die Ein­heit und Quelle allen Lebens, son­dern auch für die unend­li­chen Spiel­va­ri­anten der Wahr­heit hinter den Bil­dern. Es zählt eben nie nur eine Sicht­weise im ewig neu gemischten Spiel der Tarot­karten, in dem wir alle unsere ganz per­sön­liche Narren-Reise erleben können.

Weiter geht’s im Teil 2 dieses Arti­kels.

Wie das Deck in einer Bera­tung wirkt, kannst du in einigen Arti­keln von mir nach­lesen, bei­spiels­weise hier:

Früh­jahrs­putz

Gefühl und Ver­stand

Die kleine Meer­jung­frau

Die Röh­rig­karten sind hier erhält­lich. Die App hier. Du möch­test unser Buch? Bei uns kannst du es bestellen.

Autor: Tarotwissen

I have been working with Tarot and Astrology for many years full-time and self-employed, teaching and counceling. I am also publishing books and articles about spiritual subjects. My main focus is: How to use ancient oracle techniques in our time. Since 2013 I have been president of the German Tarot Association: Tarot e.V. (www.tarotverband.de)