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Die Mantikerin

LenormandRevolution von Carrie Paris

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: LenormandRevolution — ein Deck von Carrie Paris

Fortan mischte sie fröh­lich Tarot und Lenor­mand fröh­lich durch­ein­ander, was man­chem Puri­sten die Haare zu Berge stehen ließ. Doch erst 2009 kam sie auf die Idee, ihre eigenen Lenor­mands zu ent­werfen. Wäh­rend die 36 Karten damals auf dem Kon­ti­nent dem Tarot als Ora­kel­me­dium schon lange ernst­hafte Kon­kur­renz machten, kur­sierten sie in den USA eher als ein Geheim­tipp. So konnte Carrie mit einem unvor­ein­ge­nom­menen Blick an die Karten her­an­gehen und als Ame­ri­ka­nerin auch die Mythen um die Ent­ste­hungs­ge­schichte des Spiels mit einer fri­schen Außen­sicht recher­chieren. Auch andere Kar­ten­be­gei­sterte taten das in diesen Jahren. Heute wissen wir daher, dass die Lenor­mands kei­nes­wegs von Mlle Lenor­mand, der „Sybille von Paris“, ent­wickelt wurden. Sie basieren auf einem deut­schen Gesell­schafts­spiel, dem Spiel der Hoff­nung.

Dass besagte Mlle Lenor­mand in Frank­reich um die Jahr­hun­dert­wende 1800 gelebt haben und Napo­leons Jose­phine die Karten gelegt haben soll, nahm Carrie zum Anlass, das cha­ris­ma­ti­sche Lie­bens­paar zu „Dame“ und „Herren“ ihres Decks zu erklären. Durch diese Ein­ge­bung waren plötz­lich Atmo­sphäre, The­men­wahl und künst­le­ri­sche Umset­zung ent­schieden – die Karten sollten sich mit der Zeit um die fran­zö­si­sche Revo­lu­tion und die ame­ri­ka­ni­sche Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung herum beschäf­tigen.

Die Geburt der Lenormand Revolution

Als sich Carrie 2012 gemeinsam mit der Gra­phik­de­si­gnerin Roz Foster an die Umset­zung diese Kon­zeptes machte, ging das Volk nicht nur in ihrem Kar­ten­spiel auf die Bar­ri­kaden: Wall Street, Ara­bi­scher Früh­ling, die Occu­py­be­we­gung – einen Plu­to­um­lauf nach der Wir­kungs­zeit der Mlle Lenor­mand und unter der her­aus­for­dernden Span­nung des Pluto-Uranus-Qua­drats ent­flammten revo­lu­tio­näre Gedanken in einer uner­wartet glo­balen Weise – und lassen sich bis heute nicht löschen.

Das neue Lenor­manddeck ver­ur­sachte 2013 in der ame­ri­ka­ni­schen Kar­ten­le­ger­szene einen Flä­chen­brand. Auch heute begei­stern sie Men­schen wie mich. Die Karten sind von her­vor­ra­gender Papier­qua­lität und auf der Ein­steck­schachtel prangte eine wei­tere Revo­lu­tion in der Lenor­man­dszene – Karte 0 dieses ori­gi­nellen Decks: Die per­so­ni­fi­zierte Revo­lu­tion. Nun besitzen die Lenor­mands end­lich auch eine Nar­ren­karte, die seine doch recht tra­di­tio­nelle Hand­ha­bung auf­bricht! Die Mache­rinnen des Decks schlagen vor, die 0 statt des Storchs, Karte 17 der Lenor­mands, zu ver­wenden. Eine her­vor­ra­gende Idee aus Sicht einer Taro­ti­stin wie mir. Schließ­lich steht diese Karte im im Tarot dem ura­nisch-visio­nären „Stern“ sehr nahe.

Zusätzliche Lenormands mischen das Spiel neu durch

Damit nicht genug, Foster und Paris hatten die eben­falls groß­ar­tige Idee, die Anzahl der Per­so­nen­karten zu erwei­tern. Neben Jose­phine und Napo­leon als Dream­team des 18. Jahr­hun­derts werden auch zwei wei­tere Ver­sionen der Karten 28 und 29 ange­boten: Du siehst dich eher als For­schertyp? Dann arbeite doch ein­fach mit der Erfin­derin Molly Pic­ther und „ihrem“ Schreiber-Spion Pierre Beaum­ar­chais. An dir ging eine Mysti­kerin ver­loren? Dann ver­wende Mlle Lenor­mand selbst und den Erfinder Johann Kaspar Hechtel für deine Legungen. Ins­ge­samt stehen dir hier sechs Per­so­nen­karten zur Ver­fü­gung, die dir nun auch in Sachen Geschlecht und Metro­gamie alle Frei­heit dieser Welt geben. Warum sollte sich Jose­phine nicht mit Frau Lenor­mand, warum Beaum­ar­chais nicht mit Hechtel ver­gnügen? Warum sollten nicht meh­rere Partner ins Spiel gebracht werden? Auch Karte 13, das Kind, ist in diesem Deck zweimal ver­treten, einmal als „puber­tie­rendes Stra­ßen­kind“, die Stars&Stripes schwin­gend auf den Bar­ri­kaden oder als ver­wöhntes Gör in Form der naiven Marie Antoi­nette. Du hast die Qual der Wahl aus den ins­ge­samt 43 Karten die für deine Fragen pas­senden aus­zu­wählen.

An umwäl­zenden Ideen hat es den Schöp­fe­rinnen dieses groß­ar­tigen Decks wahr­lich nicht geman­gelt. Ich könnte stun­den­lang über jedes ein­zelne Motiv – den Son­nen­könig selbst als strah­lende Son­nen­karte, den Krampus als Ruten, die Napo­leo­ni­sche Sta­tuten als Brief, einen explo­die­renden Vulkan als Berg – refe­rieren. Aber ich will ja dich dafür begei­stern, dir selbst die Karen anzu­sehen.

Ein traditionelles Lenormand für die moderne Zeit

Eines muss ich aber noch los werden: Neben dem mit­rei­ßenden Grund­kon­zept der Karten, die Wirren vor und nach der größten euro­päi­schen Revo­lu­tion genau in einer Zeit auf­leben zu lassen, die eine ähn­liche und diesmal welt­weite gesell­schaft­liche Umwäl­zung bezeugt, hat mich beson­ders die künst­le­ri­sche Aus­füh­rung begei­stert. Die leicht ver­schleiert wir­kenden, sehr ästhe­ti­schen Col­lagen beschwören die Gei­ster der Geschichte, schaffen deut­liche Par­al­lelen zu unserer Zeit ohne kit­schig zu histo­ri­sieren. EU Sta­tuten, Kin­der­sol­daten, ver­wöhnte IT-Girls, Terror und Anar­chie – all das ist schon einmal dage­wesen, war ja nie ver­schwunden.

Was bleibt von den Werten der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit?

Die fran­zö­si­sche Revo­lu­tion und die Grün­dung der USA ist astro­lo­gisch gesehen nun genau einen Pluto-Umlauf her. Das Mischen der Lenor­man­dRe­vo­lu­tion ver­leitet dazu, über die Werte ebenso wie die Fall­stricke dieser ura­ni­schen Bewe­gung nach­zu­denken. Damals erhob sich ein Volk in der alten und der neuen Welt, um Frei­heit, Gleich­heit und Brü­der­lich­keit zur Staats­ma­xime zu machen. Heute müssen wir uns fragen, was davon übrig geblieben ist und was du und ich tun können, um die Fahne der indi­vi­du­ellen Frei­heit wieder zu hissen.

Revolution Lenormand geht auch ohne Politik

Doch keine Angst, du musst nicht zur poli­ti­schen Akti­vi­stin werden, um von diesem Deck begei­stert zu sein. Wann immer du mit einem per­sön­li­chen Anliegen die Karten befragst – ob zu Liebe, Erfolg oder Glück – befin­dest du dich schließ­lich in deiner ganz eigenen Lebens­re­vo­lu­tion, wirst durch das Spiel mit den Karten ermächtig, deine Per­sön­lich­keit völlig neu zu erfinden.

Auch an meiner Ent­wick­lung ging die Lenor­man­dRe­vo­lu­tion nicht spurlos vor­über. Ich habe end­lich MEIN Lenor­manddeck gefunden und kann mein Bera­tungs­re­per­toire um span­nende Legungen mit 43 auf­re­genden Karten erwei­tern. Lang lebe die Viel­falt des Ora­kelns!

Autor: Tarotwissen

I have been working with Tarot and Astrology for many years full-time and self-employed, teaching and counceling. I am also publishing books and articles about spiritual subjects. My main focus is: How to use ancient disciplines in our modern times. Since 2013 I have been president of the German Tarot Association: Tarot e.V. (www.tarotverband.de)

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