Tarotwissen

Tarot, Astrologie, kreatives Schreiben

Kabbala und Tarot — der Lebensbaum als Legesystem

Wer sich ein­ge­hender mit Tarot beschäf­tigt, wird früher oder später über die Kab­bala, die mysti­sche Geheim­lehre des Juden­tums, stol­pern. Denn seit der fran­zö­si­sche Okkul­tist Court de Gébelin zum ersten Mal Ende des 18. Jhds. auf mög­liche Zusam­men­hänge der 22 Trümpfe mit den 22 hebräi­schen Buch­staben hin­wies, wird sich um eine per­fekte Zusam­men­füh­rung der beiden Systeme bemüht. Ob dies je gelingen wird, sei dahin gestellt. Jedoch hilft Basis­wissen über diese Dis­zi­plin auf jeden Fall, tiefer in die Sym­bolik der Karten Waite-Smiths und Crowley-Harris’ ein­zu­steigen. Beide Decks ent­sprangen näm­lich der Phi­lo­so­phie des eso­te­ri­schen Ordens „Golden Dawn“, der um 1900 die Ver­bin­dung von Kab­bala und Tarot quasi zum Dogma erhob.

Der kabbalistische Lebensbaum — Herzstück der Kabbala

Eine erste Annä­he­rung an die hoch kom­pli­zierte kab­ba­li­sti­sche Welt­an­schauung kann dabei die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem spi­ri­tu­ellen Modell des Lebens­baums bringen. Dieser spie­gelt die gött­liche Schöp­fung anhand einer ener­ge­tisch aus­ba­lan­cierten Struktur, bestehend aus zehn Spähren, den so genannten Sephi­roth (Lichter / Sphären Gottes), die durch 22 Pfade mit­ein­ander ver­bunden sind. Jeder ein­zelnen Sephira ist dabei ein Planet, eine Farbe sowie eine aktive oder pas­sive Qua­lität zuge­ordnet. Die Pfade kor­re­spon­dieren zudem mit den hebräi­schen Buch­staben. Diese viel­fäl­tigen Ver­net­zungen lassen zahl­reiche Pola­ri­täten, Tri­ni­täten und Har­mo­nien ent­stehen, die bei genauem Stu­dium Abläufe im Uni­versum ebenso wie im mensch­li­chen Körper erläu­tern können.

Der kab­ba­li­sti­sche Lebens­baum mit dem Thoth-Tarot, © OTO US / Games Inc.

Praktische Lebensbaumlegung

Wenn du das Thema ver­tiefen willst: Es gibt zahl­reiche Lite­ratur zu dem Thema, ich mag beson­ders Mar­lies Burg­hardts Lebens­baum-Tarot und die Bücher der leider ver­stor­benen Carla Ran­dell. Hier möchte ich heute eine Legung vor­stellen, die im eng­lisch­spra­chigen Forum „Aeclectic Tarot“ ent­wickelt wurde und die Zusam­men­hänge des Lebens­baums spie­le­risch erforscht. Anders als die kom­plexe Golden Dawn Lebens­baum­le­gung „Ope­ning of the Key“ (hier eine gute Ein­füh­rung der ame­ri­ka­ni­schen Tarot-Expertin Bene­bell Wen), betont diese Vari­ante prak­ti­sche Anwend­bar­keit und ist beson­ders für Bestands­auf­nahmen zu einem bestimmten Thema geeignet. Auch kannst du mit ihr Ent­wick­lungs­pro­gnosen für einen zu defi­nie­renden Zeit­ab­schnitt erstellen. Dies viel­leicht als will­kom­mene Abwechs­lung zum Astro­lo­gi­schen Kreis oder der Jah­res­le­gung. Ganz nebenbei lernst du so die Kab­bala kennen und machst dir, wenn du dir die Zeit dafür nimmst, ein Bild dar­über, ob dir die Ver­bin­dung von Tarot und Kab­bala stimmig erscheint.

Das Auslagesystem „Lebensbaum“

Die ein­zelnen Posi­tionen der Aus­lage stellen die Anord­nung der Sephi­roth im Lebens­baum nach. Jede Posi­tion trägt den hebräi­schen Namen der ent­spre­chenden Sephi­roth mit einer mög­li­chen deut­schen Über­set­zung dahinter in Klam­mern.

Wie interpretierst du die Auslage?

Nach Mischen und Aus­legen der Karten, inter­pre­tierst du zunächst Posi­tionen 2 und 3, die das der­zei­tige Lebens­thema spie­geln. Dabei steht 2 für die Kraft, die hinter dem Thema steht und 3 für die Form, in der sich das Thema in deinem Leben aus­drückt. Als näch­stes werden die Posi­tionen 7 bis 10 ana­ly­siert. 7 reprä­sen­tiert deine der­zei­tige Emo­ti­ons­lage, 8 deine men­tale Ein­stel­lung zur Situa­tion, 9 steht für dein Ego und dafür, wie du bezüg­lich des Themas auf­trittst und 10 erzählt dir mehr über deinen Körper und Besitz. Posi­tionen 4 und 5, die äußere Ein­flüsse sym­bo­li­sieren, werden danach betrachtet. 4 steht für hilf­reiche Men­schen und Umstände, 5 für solche, die dich beim Thema blockieren. Posi­tion 6 rät dir dann, was du am besten tun soll­test, um die Dinge in deinem Sinn zu lenken. Posi­tion 1 berichtet noch, welche spi­ri­tu­ellen Wachs­tums­chancen sich durch Bear­bei­tung dieses Themas bieten. Posi­tion 11 schließ­lich, die die geheim­nis­volle elfte Sephira Daath sym­bo­li­siert, ora­kelt ein wenig von zukünf­tigen Ten­denzen.

Viel Spaß beim Aus­pro­bieren! Wenn du noch Unter­stüt­zung brauchst: Schreibe mir und ich schicke dir ein Fall­bei­spiel aus der Lege­praxis.

Autor: Tarotwissen

I have been working with Tarot and Astrology for many years full-time and self-employed, teaching and counceling. I am also publishing books and articles about spiritual subjects. My main focus is: How to use ancient disciplines in our modern times. Since 2013 I have been president of the German Tarot Association: Tarot e.V. (www.tarotverband.de)

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