Tarotwissen

Tarot, Astrologie, kreatives Schreiben

Tarotschule mit Kirsten Buchholzer — Welches Deck ist richtig für mich?

Die Texte der Tarot­schule basieren auf dem Tarot­kurs Basis­wissen der Man­tiker, der wieder am 4. Mai 2019 beginnt.

Als ich in den 1980ern mein erstes Tarot­deck erstehen wollte, musste ich nicht lange grübel: Die Buch­hand­lung meines Ver­trauens hatte genau drei Decks und ebenso viele Bücher zum Thema vor­rätig: Das Thoth Deck von Frieda Harris und Alei­ster Crowley , das „Rider Waite“ von Pamela Colman-Smith und Arthur E. Waite und den Tarot de Mar­seille. Ich griff damals ohne zu zögern zu Crowley. Heute würde ich länger für diese Ent­schei­dung benö­tigen. Denn inzwi­schen gibt es unzäh­lige Tarot­decks, die im Buch­handel, Online-Por­talen, Selbst­ver­lagen, über Crowd­fun­dings oder auch als Apps erhält­lich sind. Ganz zu schweigen von den diversen Ora­kel­karten — Leno­mand, Kipper, „Zigeuner“ — die seit einigen Jahren in den unter­schied­lich­sten Vari­anten zu haben sind.

Doch bleiben wir bei den Tarot­karten. Bei allen Decks kann man zwi­schen so genannten „Klonen“ der drei oben genannten Klas­siker, zwi­schen „Künst­ler­decks“ und „The­men­decks“ unter­scheiden. Die „The­men­decks“ richten sich an Fans bestimmter Motive  - seien das Katzen, Vam­pire oder Haus­frauen. Die „Künst­ler­decks“ — wie mein geliebtes Röhrig-Deck oder der frisch auf­ge­legte Dalí-Tarot (Königs­furt-Urania) — zeigen Inter­pre­ta­tionen der Karten aus Sicht eines Künst­lers. Oder die Karten werden im Stile eines Künst­lers prä­sen­tiert, der kein Deck geschaffen hat: Wie bei­spiels­weise Da Vinci oder Bosch. Per­sön­lich halte ich diese Deck­typen für Tarot-Ein­steiger eher für unge­eignet, da die zusätz­li­chen Themen und Aus­deu­tungen der Künstler von der „Basis­sprache“ ablenken und so den Zugang für Ein­steiger erschweren. Soll­test du jedoch ein begei­sterter Kar­ten­sammler sein, möchte ich dich natür­lich nicht davon abhalten, dir trotzdem diese zumeist sehr lie­be­voll gestal­teten Decks zuzu­legen. Viele Karten-Inter­es­sierte besitzen ver­schie­dene Kar­ten­sets, arbeiten aber nicht unbe­dingt mit allen. Auch die „Klone“, also Vari­anten der drei oben genannten Klas­siker sind nur bedingt für Anfänger geeignet. Manche der in ihnen ent­hal­tenen Karten folgen den Vor­lagen sehr genau, wäh­rend andere kom­plett von ihnen abwei­chen und so ver­wirren. Einen guten Über­blick über die ver­schie­den­sten Tarot­va­ri­anten fin­dest du auf der genialen Seite von Albi Deuter.

Es ist meine feste Über­zeu­gung, dass du am schnell­sten Tarot lernst, wenn du dich erst einmal mit den Karten von Waite-Smith und Crowley-Harris aus­ein­an­der­setzt, bevor du mit anderen Decks expe­ri­men­tieren. Zu beiden Kar­ten­sets, die der „eng­lisch-ame­ri­ka­ni­schen Schule“ (eine deut­sche Tarot-Tra­di­tion gibt es nicht wirk­lich) ent­stammen, gibt es inzwi­schen umfang­reiche deutsch­spra­chige Lite­ratur. Wenn du die Bedeu­tungen dieser Karten ver­in­ner­licht hast, bist du bereit dich kom­pli­zier­teren Inter­pre­ta­tionen zu widmen. Auch der Tarot de Mar­seille ist eine gute Wahl, da er als das „Ursprungs­deck“ für Kar­to­manen gilt. Aller­dings wird er vor­wie­gend in den roma­ni­schen Län­dern gelegt, im deut­schen Sprach­raum gibt es wenig Lite­ratur dazu. Auch dass die Kleinen Arkana dieses Decks nicht bebil­dert sind, kann dem Fluss der Gedanken beim Inspi­ra­tion hin­der­lich sein.

Bauch­ge­fühl ist über­haupt ein wich­tiges Stich­wort: Ich emp­fehle dir, beim Kauf der Karten unbe­dingt auf deine Intui­tion  zu hören. Kaufe bitte kein Set, das dir nicht gefällt, auch wenn jemandem anderes behauptet, dass es das aller­beste sei — und auch wenn ich damit meine eigenen Emp­feh­lungen oben ad absurdum führe. Letzt­end­lich ist es ein­fach am wich­tig­sten, dass du dich mit den Karten wohl fühlst und sie gern zur Hand nimmst. Es fällt dir wesent­lich leichter, dir selbst und anderen die Karten zu legen, wenn das erste Deck zu dir „spricht“. Achte beim Kauf auch darauf, wie die Rück­seite der Karten gestaltet ist. Es ist meiner Erfah­rung nach besser, dort ein neu­trales Motiv zu finden, das nicht verrät, ob die Karte richtig oder falsch herum liegen. Dies lenkt beim Ziehen nicht ab und ermög­licht das Arbeiten mit umge­drehten Karten.

Was die „Hal­tung und Pflege“ von Tarot­karten angeht, mag ich es gern etwas magisch: Ich emp­fehle dir, ein neues Kar­ten­spiel anfangs nicht her­um­zu­rei­chen oder allen Leuten zeigen. Trage die Karten ein­fach oft bei dir, mische sie durch, hebe sie ab, blät­tere durch das Spiel. Es ist prin­zi­piell nicht not­wendig, dass jemand außer dir die Karten berührt, selbst, wenn du jemanden die Karten inter­pre­tierst. Viele Berater haben, wie ich, ein oder meh­rere Sets, die sie im Kun­den­kon­takt ver­wenden, und spe­zi­elle Decks, die sie von nie­manden anfassen lassen. Sie haben einen ganz per­sön­li­chen Wert, sind dadurch für die jewei­lige Person »auf­ge­laden« und werden für pri­vate Legungen und Medi­ta­tionen genutzt. Wenn nur du dein Deck berührst, kann sich deine Intui­tion wesent­lich schneller ent­wickeln, als wenn du die Karten den Schwin­gungen anderer Men­schen aus­setzen. Intui­tion ist ein wich­tiges Merkmal einer guten Kar­ten­le­gerin: Sie hilft dir neben den akzep­tierten Bedeu­tung einer Karte zusätz­li­chen per­sön­liche Bedeu­tungen zu ent­decken. 

Lass’ mich noch ein Wort zur Auf­be­wah­rung deiner Karten ver­lieren. Ob du es mir nun glauben willst oder nicht: Karten sind eigent­lich Haus­tiere. Sie fühlen sich am wohl­sten, wenn sie aus ihrer ein­engenden Ver­packung her­aus­ge­nommen werden und sich in ein schönes Tuch schmiegen dürfen. Beliebt sind Sei­den­tü­cher, aber kei­nes­wegs ein Muss. Sinn­voll ist es aller­dings, ein ein­far­biges Stück Stoff zu wählen. So kann es gut als Unter­lage für eine Legung ver­wenden werden, wenn du mal unter­wegs bist. Es geht die Legende, dass sich die Farben dun­kel­blau, vio­lett und pur­purn, also die der oberen Cha­kren, beson­ders gut dafür eignen. Auch schöne Stoff­beutel sind beliebt. Bewahre die Karten am besten an einem bestimmten Platz auf, viel­leicht an deinem per­sön­li­chen Kraftort in deiner Woh­nung? Wenn du die Karten länger nicht benutzen, ist es eine gute Idee, sie sor­tiert auf­zu­be­wahren. Dadurch, dass du wieder Ord­nung im Kar­ten­sy­stem her­stellst, rei­nigst du die Karten von den Pro­blemen, die sie vorher gespie­gelt haben. Eigent­lich ist es gene­rell hilf­reich, die Karten nach einer Ses­sion, beson­ders nach einer sehr schwie­rigen, neu zu sor­tieren. Eine tra­di­tio­nelle Rei­hen­folge lautet:

Große Arkana I-XXII, O, Stäbe 1–10 + Hof­karten, Kelche 1–10 + Hof­karten, Schwerter 1–10 + Hof­karten, Münzen 1–10 +Hof­karten

Diese Ord­nung ist – wie alle Vor­gaben im Tarot – nicht bin­dend. Doch soll­test du dich für eine Rei­hen­folge ent­scheiden und bei dieser Ver­sion bleiben. Tarot­karten sind alt­mo­disch – sie mögen keine Ver­än­de­rung in ihrer Behand­lung. Deine  Karten über­leben es aber auch, wenn du weniger sorg­fältig mit ihnen umgehst. Für mich ist es letzt­end­lich eine Frage des Respekts: Wenn du möch­test, dass dir die Karten deine Fragen gerne und klar beant­worten, dann behan­dele sie besser pfleg­lich.

Autor: Tarotwissen

I have been working with Tarot and Astrology for many years full-time and self-employed, teaching and counceling. I am also publishing books and articles about spiritual subjects. My main focus is: How to use ancient disciplines in our modern times. Since 2013 I have been president of the German Tarot Association: Tarot e.V. (www.tarotverband.de)