Tarotwissen

Tarot, Astrologie, kreatives Schreiben

Legesystem „Das Liebesboot“ — auf der Suche nach der Seelenpartnerschaft

Der austra­li­sche Tarot­ex­perte Paul Fenton-Smith ver­gleicht in seinem äußerst lesens­werten Buch über See­len­part­ner­schaften Fin­ding Your Soul Mate eine Lie­bes­be­zie­hung mit einem auf dem Meer segelnden Boot. Größe und Stärke des Schiffs sym­bo­li­sieren die Festig­keit der Bezie­hung. Das Wasser, auf dem es treibt, spie­gelt die emo­tio­nalen Themen, mit denen wir in unserem Lie­bes­leben kon­fron­tiert werden. Manchmal ist die See ruhig, mit viel ver­spre­chenden Aus­sichten am glän­zenden Hori­zont, dann wieder ist sie aus hei­terem Himmel hoch bewegt und Wolken ver­hangen — genauso wie auch über die sta­bilste und lie­be­vollste Part­ner­schaft plötz­li­chen beäng­sti­gende Gefühls­stürmen her­ein­bre­chen können.

Die 6 Schwerter aus dem RWS Bor­der­less Tarot.
© Public Domain

Aus­ge­hend von dieser Meta­pher erläu­tert der Autor, dass wir mit jeder neuen Bezie­hung — und sei sie auch noch so for­dernd — die Chance haben, unser per­sön­li­ches Lie­bes­boot schnit­tiger und rüstiger für den weiten Gefühl­s­ozean zu machen, damit wir letzt­end­lich gemeinsam mit einem wirk­lich pas­senden Partner durchs unge­wisse Leben schip­pern können. Dazu ist es jedoch not­wendig sich bewusst zu machen, welche posi­tiven und nega­tiven Kon­di­tio­nie­rungen unsere Part­ner­wahl bestimmt haben und werden. In diesem Zusam­men­hang for­dert Fenton seine Leser­schaft auf, sich zu über­legen, wel­ches Boot sie wohl gerade selbst zusammen zim­mern.

Diese Anre­gung hat mich zur Ent­wick­lung des Lege­sy­stems „Das Lie­bes­boot“ inspi­riert. Als visu­elles Leit­motiv kam mir dafür die Waite-Smith Vari­ante der Karte 6 der Schwerter, die den schönen Unter­titel „Wis­sen­schaft“ trägt, in den Sinn. Das System ist beson­ders für Fra­gende geeignet, die sich gerade im (inner­li­chen) Auf­bruch zu neuen Lie­bes­ufern befinden— sei dies, weil sie in einer unbe­frie­di­genden Bezie­hung leben oder weil sie schon länger Single sind. Sie kann ver­stehen helfen, welche Prä­gungen unser Lie­bes­leben von früh­ster Kind­heit an beein­flussen. So kann sie dazu bei­tragen, sich von ihnen zu befreien, damit wir beim näch­sten Partner hinter die Kon­di­tio­nie­rung sehen und jemanden aus­wählen können, der wirk­lich zu uns passt.

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Doch nun zur Aus­lage Die sieht aus wie folgt:

Die Aus­lage der Karten ist der Karte „6 Schwerter“ aus dem Waite-Smith Tarot nach­emp­funden.

Posi­tion 1 (Schiffs­kiel) zeigt, wie wir die Bezie­hung unserer Eltern in der Kind­heit wahr­ge­nommen haben. Posi­tion 2 (Schiffs­rumpf) spie­gelt, welche Erfah­rungen wir in unserer ersten wich­tigen Lie­bes­be­zie­hung gemacht haben. Zusammen gelesen zeigen diese unter dem Wasser befind­li­chen Karten, wie wir durch diese Ein­drücke und Erleb­nisse in Kind­heit und Jugend unbe­wusst geprägt wurden und mit wel­chen Ansichten über das Thema Part­ner­schaft im Gepäck wir auf unsere Lebens­reise geschickt wurden. Posi­tion 3 (Heck) bringt uns in die jün­gere Ver­gan­gen­heit und steht für unsere letzte wich­tige Bezie­hung, die viel­leicht noch besteht, die aber auch schon seit län­gerem beendet sein kann. Ob von uns selbst oder dem Partner spielt keine Rolle dabei. Wichtig ist, dass sie noch in unsere Gegen­wart nach­hallt und unsere Aus­wahl­kri­te­rien bei der wieder auf­ge­nommen Part­ner­suche beein­flusst. Ein Ver­gleich mit Posi­tionen 1 und 2

kann ver­deut­li­chen, in wie weit unser letzter Partner auf Grund von Prä­gungen oder eher auf Grund urei­gener Bedürf­nisse aus­ge­wählt wurde. Posi­tionen 4 (Deck) und 5 (Segel) stellen die bewussten und unbe­wussten Antriebe dar, die aus den vor­he­rigen Posi­tionen resul­tieren und uns nun dazu treiben, unsere letzte Bezie­hung zu hin­ter­fragen bzw. auf­zu­geben. Gerade wenn wir unsere letzte Bezie­hung scheinbar nicht frei­willig beendet haben, kann Posi­tion 5 uns wert­volle Anstöße dafür geben, was wir den­noch zu der Tren­nung bei­getragen haben. Posi­tion 6 (Bug) dient als Vor­schlag, wie wir uns ver­halten sollen, damit wir optimal vor­be­reitet unserer näch­sten Bezie­hung ent­gegen schip­pern. Ziel soll es dabei sein, einen Partner zu finden, der uns helfen kann, nicht unsere Prä­gungen son­dern uns selbst glück­lich zu leben. Selbst wenn unsere ganz per­sön­li­chen Bedürf­nissen gegen gesell­schaft­liche Kon­ven­tionen gehen. Welche Bedürf­nisse dies sein könnten, lässt sich aus der Quint­essenz der Kar­ten­aus­lage ersehen.

Ein prak­ti­sches Bei­spiel: Gabi, eine Frau Ende Dreißig, steht im Begriff, sich von ihrem Mann zu trennen, da sie sich in jemand anderen ver­liebt hat. Sie sieht die neue Begeg­nung als Schick­sals gegeben und erfül­lend, ist aber ängst­lich, ob es wirk­lich eine gute Idee ist, sich aus dem sicheren Ehe­hafen zu ver­ab­schieden. Gleich­zeitig spürt sie, dass Selbst­er­fül­lung in der jet­zigen Bezie­hungs­kon­stel­la­tion nicht länger mög­lich ist, obwohl sie ihren Mann immer noch liebt und beide von ihrem Umfeld als Vor­zei­gepaar wahr­ge­nommen werden. Sie möchte wissen, ob ihre Intui­tion sie nicht täuscht und ob die neue Bezie­hung ein grö­ßeres Erfül­lungs­po­ten­tial ver­heißt. Gelegt wurde mit dem Röhrig-Deck. (hier Gra­phik der Aus­lage ein­fügen)

Das Lie­bes­boot: ein Bei­spiel aus der Lege­praxis

Betrachten wir Posi­tion 1 und 2, stellen wir fest, dass Gabi die Bezie­hung der Eltern als lei­den­schaft­lich und sinn­lich (Trumpf VIII, die Kraft auf Posi­tion 1) wahr­ge­nommen haben könnte. Der Aus­druck lust­voll gelebter Weib­lich­keit könnte ein Thema gewesen sein, ebenso wie die Ent­wick­lung weib­li­chen Füh­rungs­po­ten­tials.

Auch die 8 der Stäbe auf Posi­tion 2 (beach­tens­wert ist hier die nume­ro­lo­gi­sche Wie­der­ho­lung der Zahl 8 — eine Auf­for­de­rung für Gabi, sich näher mit den Attri­buten dieser Zahl aus­ein­ander zu setzen) spie­geln heiße Lei­den­schaft und weisen auf eine magne­ti­sche Liebe auf den ersten Blick hin. In der Tat schil­dert Gabi ihre erste Lie­bes­er­fah­rung als sie wie ein Blitz aus hei­terem Himmel tref­fend, wenn auch ebenso schnell ent­standen wie wieder ver­flogen.

Die gegen­sei­tige Anzie­hungs­kraft wurde nie wirk­lich kon­su­miert und die Erfah­rung ver­un­si­cherte Gabi ebenso stark wie sie in ihr die Sehn­sucht weckte, wei­tere solche Lie­bes­brände zu erfahren. Die näch­sten tief sit­zenden Bezie­hungen wurden dann auch tat­säch­lich nach diesem Prinzip aus­ge­wählt und endeten durchweg unbe­frie­di­gend. Die Bezie­hung ihrer Eltern hin­gegen hat sie bewusst als kei­nes­wegs „Frauen stark“ erlebt.

Viel­mehr erin­nert sie sich daran, dass ihr Vater die Mutter beständig klein halten wollte. Erst nach der frühen Schei­dung habe sich die Mutter zu eman­zi­pieren begonnen. Jedoch längst nicht genug, findet Gabi. Sie selbst wollte diesen Fehler nie begehen.

Daher ist es beson­ders span­nend, dass auf Posi­tion 3 mit dem Ritter der Scheiben ihr Ehe­mann als klas­si­scher Patri­arch reprä­sen­tiert wird. Ein her­vor­ra­gender Ernährer und lie­be­voller Fels in der Bran­dung, der dafür aber auch erwartet, dass frau sich seinen Beschlüssen fraglos unter­wirft. Diese Karte machte Gabi klar, dass sie scheinbar bei der Wahl des Ehe­part­ners in die Fuß­stapfen ihrer Mutter getreten war, obwohl sie eigent­lich gerade eine selbst­be­stimmte Form von Bezie­hung leben wollte. Offen­sicht­lich haben die schlechten Erfah­rungen bei den Ver­su­chen, Lei­den­schaft zu leben, sie jedoch zu einer ganz anderen Part­ner­wahl getrieben. Dass dies auf lange Frist nicht die beste Ent­schei­dung war, zeigt der unbe­wusste Abtrieb ihrer Auf­bruchs­stim­mung.

Die 3 der Scheiben (Posi­tion 5) spie­gelt her­vor­ra­gend, wie Gabi den Ehe­alltag emp­findet: nie­der­drückend und irgendwie — aller Für­sorge ihres Mannes zum Trotz — einsam und völlig auf sich gestellt. Auch die Tat­sache, dass sie den neuen Mann in ihrem Leben als vom Schicksal gesandt sieht, wird mit Trumpf XI Gerech­tig­keit (auf­fällig ist, dass alle Trumpf­karten weib­liche Stärke dar­stellen) auf Posi­tion 4 ver­bild­licht. Ihr ist bewusst, dass dieser neue Lie­bes­an­wärter eine Chance (jedoch nicht die ein­zige!) dar­stellt, alles zu leben, was sich schon in ihrer Kind­heit ange­kün­digt hatte, aber aus kon­di­tio­nierten Äng­sten heraus in Ver­ges­sen­heit geriet.

Die Quint­essenz, Trumpf III Die Herr­scherin (eng ver­bunden mit der Kraft), bringt diese Themen auf den Punkt: weib­liche Füh­rungs­kraft, Lust, Sinn­lich­keit, sou­ve­räne Geliebte und Mutter. 
Doch vor den Erfolg haben die Götter bekannt­lich den Schweiß gesetzt. So kün­digt die Königin der Schwerter auf Posi­tion 6 an, dass einige schmerz­hafte Erfah­rungen vor ihr liegen, bevor sie die Herr­scherin-Qua­li­täten tat­säch­lich leben kann. Dies kann neben der Tren­nung von ihrem Mann u.a. auch bedeuten, dass sie in der neuen Bezie­hung an alte, ver­drängte Schmerz­punkte gebracht werden könnte, die mit dem Thema der 8 der Stäbe zusammen hängen und sie vor langer Zeit dazu getrieben haben, der Lei­den­schaft den Rücken zu kehren. Mit der Herr­scherin als Leit­bild ent­schloss sich Gabi nach dieser Legung, sich den mög­li­chen Ver­let­zungen der Königin der Schwerter zu stellen. Sie hat es nicht bereut.

Autor: Tarotwissen

I have been working with Tarot and Astrology for many years full-time and self-employed, teaching and counceling. I am also publishing books and articles about spiritual subjects. My main focus is: How to use ancient disciplines in our modern times. Since 2013 I have been president of the German Tarot Association: Tarot e.V. (www.tarotverband.de)

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