Tarotwissen

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Von Maiden, Rittern und Drachen — Ein Legesystem zur Tarotkarte “7 Schwerter”

Wir alle kennen diese geheime innere Welt, in der wir ein per­fektes Leben, geprägt von Erfolg und Glück, erleben. Manche träumen vom Leben im Ram­pen­licht, andere vom alle Sorgen auf­lö­senden Lot­to­ge­winn und wieder andere sehnen sich nach stiller fami­liärer Zufrie­den­heit und Gebor­gen­heit. Und so strebt jede und jeder von auf sehr indi­vi­du­elle Weise nach den per­sön­li­chen Traum­zielen. Dass wir diese oft nicht errei­chen, liegt u.a. daran, dass wir die in uns schlum­mernden Talente und Kräfte nicht ver­stehen oder ihnen nicht ver­trauen. Zwi­schen dem, was wir sind und dem, was wir sein wollen, liegen dann scheinbar unüber­wind­liche Welten. Doch dies ändert sich sofort, wenn wir unsere ange­bo­renen Beson­der­heiten wahr­nehmen und nutzen. Sie sind die Grund­steine für per­sön­liche Frucht­bar­keit und Erfül­lung.

Der Mythos um den kelto-bri­ti­schen König Artus, der seine Ritter der Tafel­runde zu ihrer wahren Kraft — sym­bo­li­siert durch den Hei­ligen Gral — führen will, bietet hier einen Lösungs­an­satz. Artus ist und han­delt wie ein weiser, wohl­wol­lender Vater. Nie­mals zwei­felt er daran, dass seine Ritter sich selbst und ihr inne­woh­nendes Poten­tial voll­ständig ver­stehen werden. Die Such­fahrten (auch Questen genannt), auf die er sie schickt, dienen genau dazu. Die zahl­rei­chen Aben­teuer auf diesen Questen erin­nern denn auch an das eigene Leben. Wir durch­leiden wie die Grals suchenden Ritter doch immer wieder Rück­schläge, erliegen Ver­füh­rungen oder kommen vom Weg ab. Solange, bis wir uns end­lich fragen: Warum pas­siert mir das? Warum schei­tere ich immer wieder bei der Ver­fol­gung meiner Ziele? Mit der­ar­tigen Fragen beginnt dann ernst zuneh­mende Selbst­ana­lyse und die Ent­deckung der eigenen inneren Kräfte.

Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“ sollte denn auch unser Motto werden, wenn wir Träume wirk­lich machen wollen. Wer sich nicht bemüht, das eigene Talent zu ent­wickeln, kann nur sich selbst und nie­mand anderen als dafür ver­ant­wort­lich machen, wenn das Leben wie ein Fehl­schlag erscheint. Das ganz per­sön­liche Talent, der eigene Schlüssel zum Erfolg, ist übri­gens gar nicht so schwer zu ent­decken. Es liegt zumeist dort, wo wir uns für etwas aus vollem Herzen begei­stern.

Geben wir uns selbst eine Chance und werden wir aktiv! Bemühen wir uns, unsere Visionen umzu­setzen, indem wir uns auf eine ganz eigene Queste begeben, dem per­sön­li­chen Gral ent­gegen. Einmal in Rich­tung Beru­fung auf­ge­bro­chen, sind sicher viele Aben­teuer und Her­aus­for­de­rungen zu bestehen. Den­noch immer weiter zu gehen und für das Glück gegen alle Wider­stände zu kämpfen, ist der Schlüssel zum Erfolg. Wie Artus‘ Ritter sollten wir dabei das Schwert des Ver­standes ein­setzen, um Pro­bleme zu bewäl­tigen und um unseren feu­rigen Willen und die flie­ßende Macht der Inspi­ra­tion zu steuern. So werden letzt­end­lich Hin­der­nisse über­wunden oder sich ein­fach in Luft auf­lösen.

Ver­sagen wir aber trotz aller Anstren­gungen dabei, unsere Her­zens­wün­sche zu erfüllen, ver­folgen wir gewöhn­lich ent­weder die fal­schen Stra­te­gien, haben unser wahres Talent noch nicht ent­deckt oder lassen unseren guten Wün­schen ans Uni­versum keine Taten folgen. Was aber, wenn wir nach kri­ti­scher Prü­fung zu der Ansicht gelangen, ein­fach alles getan zu haben, um unser Ziel zu errei­chen und sich das ersehnte Resultat den­noch nicht ein­stellt? Wenn wir an einem gewissen Punkt immer wieder schei­tern? Wenn bezüg­lich eines Themas unde­fi­nier­bare Ängste in uns auf­tau­chen, die wir nicht zu beherr­schen wissen? Oder wenn trotz allen Grü­belns uns wei­terhin unklar bleibt, wel­cher Erfül­lung im Leben wir eigent­lich ent­gegen streben sollten?

Dann hilft viel­leicht das Lege­sy­stem „Von Maiden, Rit­tern und Dra­chen“ weiter. Dies ent­stand aus meinen Über­le­gungen zu der unge­wöhn­li­chen Dar­stel­lung der „Sieben der Schwerter“ im Röhrig-Deck: Ein  rie­siges Mon­ster­ge­sicht mit roten Augen und lef­zenden Zähnen ver­sperrt hier einer win­zigen Gestalt, nur mit Akten­ta­sche bewaffnet, den Weg durch eine ungast­liche Wüsten­land­schaft. Ganz oben erkennen wir ein Git­ter­fen­ster, hinter dem sich viel­leicht genau das ver­birgt, was wir im Kampf mit dem Mon­ster frei setzen wollen.

Dies Bild spielt für mich daher auf das auch aus der Artus-Sage bekannte Motiv vom fah­renden Ritter an, der in einer sehr modernen Ver­sion eine bedrängte Maid aus den Klauen eines bedroh­li­chen Dra­chen durch offenes Duell oder List befreien will. Die oft gefes­selt oder ein­ge­ker­kert dar­ge­stellte Frau sym­bo­li­siert hier unsere unent­deckten oder unge­nutzten, daher unbe­freiten Talente. Der Feuer spei­ende Drache steht für unsere Furcht, die uns daran hin­dert, dieses Poten­tial frei­zu­lassen und die Person zu werden, die wir so gern sein möchten. Und der Ritter ist in diesem Kon­text unser innerer Stra­tege und Kämpfer, der uns dazu ver­helfen kann, den selbst­ge­schaf­fenen Dra­chen zu über­winden, wenn wir ihn nur den Auf­trag dazu erteilen.

Aus diesen Über­le­gungen ergeben sich drei ein­fache und effek­tive Schlüs­sel­po­si­tionen:

Von Maiden, Rittern und Drachen

Lege­sy­stem “Von Maiden, Rit­tern und Dra­chen” © Kir­sten Buch­holzer, basie­rend auf den 7 Schwer­tern von Pablo Röhrig, © www.koenigsfurt-urania.com

Posi­tion 1 — Die Maid: Das gilt es zu befreien. Hier liegt ein ver­bor­gener Schatz.Position 2 — Der Dra­chen: Das halte ich für unüber­wind­lich. Davor fürchte ich mich sehr.
Posi­tion 3 — Der Ritter: Das sind meine Waffen. So kann ich für mein Ziel kämpfen und es errei­chen.

Ihre Aus­deu­tung kann auf die unter­schied­lich­sten Lebens­be­reiche über­tragen werden und für wich­tige Lebens­themen ebenso wie für all­täg­li­chere Situa­tion ein­ge­setzt werden. Hier ein Bei­spiel aus der Lege­praxis:

 

 

 

 

 

 

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Ein Bei­spiel aus der Lege­praxis:

Elvira ver­sucht seit Jahren sich als Heil­prak­ti­kerin zu eta­blieren. Sie übt diese Tätig­keit bereits als Nebenjob aus. Doch immer wenn sie kurz davor ist, sich haupt­be­ruf­lich dazu zu bekennen, lockt sie ein lukra­tives Angebot zurück in den ver­hassten Job als Kon­tak­terin in einer Wer­be­agentur oder sie wird von unüber­wind­li­chen Exi­stenz­äng­sten geplagt. Die Karten sollen nun Auf­schluss dar­über geben, warum sie sich selbst im Weg steht und wie sie diese Hürde über­winden kann. Fol­gende Karten wurden dafür aus dem Röhrig-Deck gezogen.

Von Maiden, Rittern und Drachen

Bei­spiel­legung für “Von Maiden, Rit­tern und Dra­chen”, © Kir­sten Buch­holzer

Beim ersten Betrachten der Karten fällt auf, das Angst­punkt (Drache) und dessen Bekämp­fung (Ritter), von der glei­chen Energie getragen sind. Beide sind durch die 5 (Fünf der Kelche und Fünf der Stäbe) gekenn­zeichnet. Dies weist darauf hin, dass wir es hier mit den Themen des Trumpfes Hiero­phant zu tun haben, der neben Ver­trauen und Glauben auch für Ängste vor dem Unbe­kannten und der Furcht davor, alte Sicher­heit hinter sich zu lassen, stehen kann. Betrachtet man die beiden Bilder weiter, so fällt das Motiv des Fels­blocks ins Auge, der ein Gefühl von Ver­sper­rung oder Ein­ge­schlos­sen­sein ver­mit­telt. Dem gegen­über steht die weiche und hin­ge­bungs­volle Gestalt der Königin der Kelche — oft als mit feinen hei­le­ri­schen Fähig­keiten aus­ge­stat­tete „kleine Hohe­prie­sterin“ betrachtet — die es hier zu befreien gilt.  Die Königin der Kelche weist auch darauf hin, dass Elviras Fähig­keit als Heil­prak­ti­kerin zu arbeiten sicher aus­ge­prägt ist (sanfte Behand­lungs­me­thoden wie Reiki, Mas­sage, Farb­the­ra­phie oder andere ener­ge­ti­sche Arbeit fließen in den Sinn) und auch durchaus ein Rei­festa­dium (als Königin beherrscht sie ihr Ele­ment) erreicht hat. Ande­rer­seits sieht man in dem Fels­block und der völ­ligen Abwe­sen­heit von Wasser auf der Fünf der Kelche deut­lich, dass sie sich von de bis­he­rigen Ent­wick­lungen ent­täuscht und wohl auch ent­mu­tigt fühlt. Dieses Gefühl könnte übri­gens einen tie­feren Ursprung als die der­zei­tige Ent­schei­dung zur Ursache haben. Darauf ange­spro­chen erzählt Elvira, dass sie in der Kind­heit Farben und Schwin­gungen in ihrem Umfeld wahr­ge­nommen hatte, die aber von ihren Eltern als Spin­nerei abgetan und so mit der Zeit ver­loren gingen — ein­ge­schlos­senen in den rie­sigen Stein­block, der ihren Dra­chen dar­stellt. Dieses ver­loren gegan­gene Talent scheint sich nun wieder durch­setzen zu wollen und Elvira täte gut daran, gezielte Übungen zu machen, um auf diese Frei­set­zung hin zu arbeiten. Dies bestä­tigen die Fünf der Stäbe. Es ist nun an der Zeit, mit alten inne­woh­nenden Kräften wieder Kon­takt auf­zu­nehmen und so die Ver­kru­stung des Gesteins zu sprengen. Aller­dings warnen die Karten auch davor, nun zu schnell in die Selbst­stän­dig­keit zu springen. Die Fünf ist auch die Karte des spi­ri­tu­ellen Leh­rers und Elvira täte somit gut daran, sich noch einmal in ein Trai­ning zu begeben, dass ihr Selbst­ver­trauen stärkt und ihr viel­leicht auch prak­ti­sche Tipps für die Umset­zung des eigenen Talents ver­mit­telt. Schließ­lich wirkt ihr Kon­zept, wie sie ihre Königin der Kelche aus­leben will, durch die Fünf der Stäbe Energie als noch nicht wirk­lich aus­ge­feilt.

Elvira sah in diesen Karten die klare Auf­for­de­rung, nicht auf­zu­geben. Sie fasste wieder mehr Zutrauen in ihre ver­schüt­teten Ein­ge­bungen der Kind­heit und es gelang ihr mit Hilfe geeig­neter Coachs ein auf ihre Talente per­fekt abge­stimmtes Kon­zept zu ent­wickeln. Ein Jahr später sagte sie der Wer­be­agentur ade. Sie hat sich nie wieder umge­dreht.

Autor: Tarotwissen

I have been working with Tarot and Astrology for many years full-time and self-employed, teaching and counceling. I am also publishing books and articles about spiritual subjects. My main focus is: How to use ancient disciplines in our modern times. Since 2013 I have been president of the German Tarot Association: Tarot e.V. (www.tarotverband.de)

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