Tarotwissen

Tarot, Astrologie, kreatives Schreiben

Kinderwunsch — Tarotlegung von Melanie Assangni

Vor Zeiten war ein König und eine Königin, die sprachen jeden Tag: ‚Ach, wenn wir doch ein Kind hätten!’ und kriegten immer keins. Da trug es sich zu, als die Königin einmal im Bade saß, dass ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach: ‚Dein Wunsch wird erfüllt werden, ehe ein Jahr vergeht, wirst du eine Tochter zur Welt bringen.’“Brüder Grimm, Dornröschen

Der Wunsch nach einem Kind wird nicht immer erfüllt.

Leider sind wir Kartenberater/innen keine ora­kelnden Frö­sche. Denn das trau­rige Thema des uner­füllten Kin­der­wun­sches ist uns nicht nur aus der Mär­chen­welt bestens bekannt. Immer wieder werden wir von einer unglück­li­chen Frau darum gebeten, ihr doch bitte zu ver­si­chern, dass sie bald schwanger sein wird. Die Ver­zweif­lung und Schick­sals­hoff­nung, die sich hinter einem sol­chen Wunsch ver­bergen, sind natür­lich ver­ständ­lich. Schließ­lich ist die unstill­bare Sehn­sucht nach Nach­wuchs – ob nun von einer Frau alleine gehegt oder gemeinsam mit einem Partner – eine große see­li­sche Bela­stung.

Den­noch –„Werde ich schwanger?“, „Wann werde ich schwanger?“, „Wird es ein Junge?“ sind und bleiben Fragen, die eine ethisch arbei­tende Bera­terin nicht beant­worten wird. Schließ­lich kommen bei diesem Thema selbst Fach­me­di­ziner an ihre Grenzen. Aber die können wenig­sten kom­pe­tent unter­su­chen, ob beide Partner fruchtbar sind und auf Grund des Resul­tats indi­vi­du­elle Vor­schläge zur wei­teren Fami­li­en­pla­nung mit den Rat­su­chenden erar­beiten.

Erst wenn aus medi­zi­ni­scher Sicht einer Schwan­ger­schaft nichts im Wege steht und Resul­tate den­noch weiter auf sich warten lassen, kann es ange­bracht sein, die Karten zu Rate zu ziehen. Schließ­lich leidet oft nicht nur die Frau selbst, son­dern auch eine Bezie­hung stark bei uner­füllten Kin­der­wunsch. Die Paare stehen unter extremen Druck, die Psyche und – nicht zu unter­schätzen – die Freude an Inti­mi­täten leidet extrem. Hier genau kann eine Kar­ten­aus­lage unter­stützen und Denk­an­re­gungen schaffen.

Das spe­ziell für dieses Thema von meiner Kölner Kol­legin Melanie Ass­angni ent­wickelte Lege­sy­stem „Der Kin­der­wunsch“ – hier in einer leicht abge­än­derten Vari­ante vor­ge­stellt – kann dabei beson­ders gute Dienste lei­sten. Es ant­wortet am besten auf die sinn­volle Frage: „Was kann ich tun, um schwanger zu werden?“ und legt dies­be­züg­lich dar, was auf see­li­scher Ebene gera­de­zu­rücken ist, damit aus Sehn­sucht Rea­lität werden kann. Das System ver­deut­licht auch, ob even­tuell ein anderer Lebens­be­reich der­zeit beson­derer Auf­merk­sam­keit bedarf, um die Schwie­rig­keiten hin­sicht­lich des Fami­li­en­nach­wuchses zu über­winden. Eben­falls von großer Wich­tig­keit ist dabei auch die Über­le­gung, wie die Fra­gerin (und zumeist han­delt es sich hier um Fra­ge­rinnen) damit umgehen sollte, wenn der Wunsch der­zeit nicht oder viel­leicht sogar nie erfüllt werden sollte. Dazu können die Karten einige Anre­gungen geben. Selbst­ver­ständ­lich ersetzt dieses Lege­sy­stem — wie bereits geschrieben — keine Ärzte oder The­ra­peuten…

Und so sieht Aus­lage aus:

Kartenlegung "Kinderwunsch" von Melanie Assangni, Köln

Kar­ten­le­gung “Kin­der­wunsch” von Melanie Ass­angni, Köln

Ein Bei­spiel aus der Lege­praxis.

"Kinderwunsch", Beispiellegung mit dem Röhrig-Tarot, © www.koenigsfurt-urania.com

Kin­der­wunsch”, Bei­spiel­legung mit dem Röhrig-Tarot, © Königs­furt-Urania

Das Ehe­paar Ellen (39) und Car­sten (42) bemüht sich nun schon seit meh­reren Jahren um Nach­wuchs. Bisher erfolglos, obwohl aus medi­zi­ni­scher Sicht einer Emp­fängnis nichts im Wege stehen sollte. Die bio­lo­gi­sche Uhr tickt immer lauter für Ellen. Gerade für sie ist die Situa­tion daher sehr bela­stend. Sie hat sich nun ent­schlossen, die Karten zu befragen. Sie möchte erfahren, was sie noch tun kann, um eine Schwan­ger­schaft end­lich her­bei­zu­führen. Fol­gende Aus­lage, gezogen mit dem Röhrig-Deck, ergab sich nach Zie­hung der Karten:

Die Prin­zessin der Scheiben auf der Posi­tion der behin­dernden Gedanken und Ängste könnte in dieser Dar­stel­lung spre­chender kaum sein: Ein hoch­schwan­gere Frau domi­niert das Bild. Ihre Frucht ist nicht zu über­sehen, was – neben der Quint­essenz Die Mäßig­keit – darauf hin­weisen könnte, dass Ellen durchaus Emp­fängnis fähig ist. Aber steht sie eigent­lich tat­säch­lich voll hinter der Fami­li­en­pla­nung? Sicher, sie wünscht sich sehn­lich ein Kind, doch könnte sie Bedenken zu haben, was eine Schwan­ger­schaft mit ihrem Körper und ihrer Psyche macht. Schließ­lich wäre das ihre erste Geburt und so sehr sie sich dessen schämt, Ellen hat durchaus Angst um ihre schlanke Figur und vor den zahl­rei­chen Fol­ge­er­schei­nung, die gerade eine Schwan­ger­schaft in ihren Jahren mit sich bringen kann. Auch scheint ihr Fokus mehr auf den Monaten des Schwan­gerseins als auf dem Danach zu liegen. Hat sie sich eigent­lich schon wirk­lich rea­li­sti­sche Gedanken dar­über gemacht, was es bedeutet, Mutter zu sein? Auch die beiden näch­sten Karten weisen darauf hin, dass dies nicht der Fall sein könnte. Schließ­lich soll gerade der ein­zige Trumpf der Legung Der Hiero­phant, der tra­di­tio­nell für Glaube, Liebe, Hoff­nung steht, zur Zeit ver­mieden werden. Eben keine abge­ho­benen Wunsch­vi­sionen und Träume von Initia­tion in die Mut­ter­schaft sind nun Thema. Die Karte weist an dieser Stelle sogar darauf hin, dass Wunder wohl nicht geschehen werden. Statt­dessen ist mit der Drei der Scheiben harte, aber frucht­bare (hinter der 3 steht der Trumpf Die Herr­scherin) Arbeit ange­zeigt, um zum Ziel zu kommen. Völlig auf sich gestellt scheint hier Ellen mit dem Thema. Aber genau so soll es auch sein. Es ist an ihr, sich Gedanken dar­über zu machen, wie wichtig ihr die Kin­des­sehn­sucht wirk­lich ist und was sie bereit ist, dafür an Kom­fort, Schön­heit und Ver­gnügen zu opfern. Je mehr Rea­lität hier erlebt wird, umso schneller könnte sie zu ihrem Ziel kommen. Viel­leicht sollte sie sich zum Bei­spiel ver­stärkt mit dem Alltag einer Mutter aus­ein­an­der­setzen und häu­fige Gespräche mit Müt­tern suchen?

Dies rät auch der Ritter der Schwerter als Symbol für den Lebens­be­reich, der nun ver­stärkt gelebt werden sollte. Dieser steht für durch­dachte Kon­zept und Pläne. Er würde sicher kein Pro­jekt ohne einen hieb- und stich­fe­sten Busi­ness­plan beginnen. Ellen ist also tat­säch­lich gefragt, ihre Haus­auf­gaben noch einmal ordent­lich machen. Am besten gemeinsam mit Car­sten, der im Übrigen eben­falls durch den Ritter reprä­sen­tiert werden könnte. So würde sich schnell her­aus­finden lassen, was machbar ist und wo Illu­sionen zu viel Raum gegeben wird. Wer küm­mert sich eigent­lich um das Kind, wenn es da ist? Schließ­lich sind beide Ehe­partner voll ins Arbeits­leben ein­ge­bunden. Und geht Car­sten eigent­lich mit der Sehn­sucht seiner Frau (noch) kon­form? Hat er viel­leicht ganz andere Pläne für die Zukunft? Wie auch immer die Ant­worten hierbei aus­fallen, zur Tap­fer­keit ist Ellen mit der Sieben der Stäbe als Hand­lungs­vor­schlag, wenn sich ihr Wunsch nicht erfüllen sollte, eh auf­ge­for­dert. Viel­leicht würde es ein­fach mal helfen, sich span­nende Alter­na­tiven für ein Leben ohne Kinder zu über­legen. Schließ­lich spre­chen Aben­teu­er­lust, Risi­ko­be­reit­schaft und Auf­bruchs­stim­mung aus dieser Karte. Auch der nächste Schritt ist durch eine Feu­er­karte bestimmt. Das As der Stäbe in dieser Posi­tion wirft hier die Frage auf, wie lei­den­schaft­lich das Paar eigent­lich an der Erfül­lung des Wun­sches arbeitet. Habe die beiden über­haupt noch Spaß am Lie­besakt oder ist er eher zur ver­krampften Not­wen­dig­keit geworden? Letz­teres wird dem Kin­der­segen wohl eher nicht för­der­lich sein. Es gilt also auf jeden Fall für ordent­lich Feuer, Sinn­lich­keit und Begierde im Ehe­bett zu sorgen.

Ellen nahm die Fragen mit nach Hause. Gemeinsam mit Car­sten ent­warf sie immer deut­li­cher ein Sze­nario, wie ein Leben mit und ohne Nach­wuchs für beide aus­sehen würde. Die Klä­rung hat beiden gut getan. Auch jetzt ist Ellen noch nicht schwanger, doch haben die beiden wieder mehr Zeit für ein­ander und gemeinsam viel unter­wegs. Sie wollen die Zeit mit­ein­ander ein­fach genießen, egal was kommt. Der­zeit ver­gnügen sich beide auf einem aus­gie­bigen Aben­teu­er­trip in Neu­see­land und genießen nicht nur Sex wie in alten Zeiten – mit viel Elan und ohne Druck.

Kir­sten Buch­holzer, geschrieben 2010

Autor: Tarotwissen

I have been working with Tarot and Astrology for many years full-time and self-employed, teaching and counceling. I am also publishing books and articles about spiritual subjects. My main focus is: How to use ancient disciplines in our modern times. Since 2013 I have been president of the German Tarot Association: Tarot e.V. (www.tarotverband.de)