Tarotwissen

Tarot, Astrologie, Kreativität

30. Juli 2017
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Der Weg der Tugend im Tarot – Drei der Stäbe

1818 schuf der deutsche Maler Casper David Friedrich – ein Vorreiter der romantischen Bewegung – sein großartiges Gemälde Wanderer über dem Nebelmeer.

Die 3 Stäbe im Waite-Smith Deck. © www.koenigsfurt-urania.com

Knapp 100 Jahre später nutzte Pamela Coleman-Smith ein sehr ähnliches Motiv, um Arthur E. Waites Gedanken zur Tarotkarte Drei der Stäbe bildlich umzusetzen. Die Übereinstimmungen sind frappierend: Auf beiden Bildern sehen wir eine Gestalt, die einsam auf einer Anhöhe stehend über ein Meer blickt – eines aus Luft, das andere aus Wasser. Auf beiden nimmt sie eine zentrale, den Fluchtpunkt verdeckende Position ein und wendet uns dabei den Rücken zu. Dies ist keineswegs Zufall: In seinem Bilderschlüssel des Tarot vermerkt Waite, dass der Mann auf der Karte von hinten zu sehen sein soll.

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4. Juli 2017
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Interview mit Holger Fass, Chefredakteur des Meridian

Ich schreibe nun schon einige Jahre für die astrologische Fachzeitschrift Meridian. Im Juli 2016 gab es dort eine Veränderung in der Redaktion. Markus Jehle gab den Chefsessel an Holger Fass ab. Ein Jahr später habe ich für die Facebook Seite des Deutschen Astrologen-Verbandes, die ich verwalte, ein Interview geführt. Ich poste es auch hier.

Lieber Holger! Du bist jetzt seit einem Jahr Chefredakteur der astrologischen Fachzeitschrift Meridian. Mit welchem Vorsatz bist du damals gestartet?

Der Meridian ist eine sehr traditionsreiche Fachzeitschrift für Astrologie und ich habe mich sehr geehrt gefühlt und tue es immer noch, auf diesen Posten zu kommen. Einen Teil meiner Aufgabe sehe ich darin, diese Tradition weiterzuführen. Mein Vorgänger Markus Jehle hatte da schon viel geschafft. Ich wollte die bereits bestehende Vielfalt der Autoren fördern und auch ausbauen. Für mich war und ist es sehr wichtig, nach Autorinnen und Autoren zu suchen, die etwas wichtiges zu sagen haben, obwohl sie vielleicht noch nicht publiziert haben und ihnen eine Plattform zu geben. Ich glaube, dass es für die Leser/innen interessant ist, verschiedene Blickwinkel aufgezeigt zu bekommen. Auch möchte ich anspruchsvolle Fachartikel mit Tiefgang ebenso weiterführen, wie solche Artikel, die man ohne viel nachzudenken entspannt konsumieren kann und die zum Mitmachen anregen. So sind die Merkur Miniaturen entstanden und in der kommenden Ausgabe 4/2017 wird es beispielsweise ein Rätsel geben. Beide Ansätze, Fachfortbildung per Printartikel und Unterhaltung sollen gleichberechtigt nebeneinander stehen und die jeweilige Stimmung der Leserschaft unterstützen.

Du sagst, der Meridian hat Tradition. Ich kenne seine Geschichte gar nicht. Magst du etwas davon erzählen?

Der Meridian hat eine sehr lange Geschichte und spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Astrologie im deutschsprachigen Raum. Die Anfänge sind eng mit der Astrologenfamilie Ebertin verwoben, aus deren seit den 1930er-Jahren erschienenen Zeitschriften Kosmobiologie und Kosmischer Beobachter im Jahr 1979 die Zeitschrift Meridian entstand. Chefredakteur war zunächst Baldur R. Ebertin, auf den 1983 Thomas Köberl folgte. 1991 kam es durch die Initiative von Markus Jehle und Martin Garms zu einem erfolgreichen Relaunch. Dieses Team arbeitete dann bis letztes Jahr zusammen und führte den Meridian fort. Gemeinsam achteten sie darauf, dass der Meridian ein Fachmagazin mit pluralistischem Anspruch bleibt. Damit wollten sie einem breiten astrologischen Fachpublikum Raum geben. Der Meridian verpflichtet sich seither, nicht nur eine Schulrichtung zu bedienen, sondern beispielsweise hat klassische Astrologie in ihm ebenso viel Platz wie psychologische Astrologie oder esoterische. Nicht alle schreiben gleich viel. Mir fehlt zum Beispiel öfter mal ein Einblick in die Gedankenwelt der Hamburger Schule, aber immerhin haben wir in den letzten Ausgaben durch die rumänisch-deutsch-niederländisch-österreichische Autorin Cristina Wilfinger Deutungsartikel aus Sicht der Münchner Rhythmenlehre. Gleichzeitig sehen wir es auch als unsere Aufgabe, die unterschiedlichen aktuellen Strömungen der Astrologie aufzugreifen und sie vielleicht sogar anzustoßen. Im nächsten Heft 5/2017 geht es beispielsweise um männlich/weiblich, also um Genderfragen, die in Deutschland in der Astrologie-Szene kein starkes Thema sind, in den USA aber heiß diskutiert werden. Da sehen wir es als Aufgabe des Meridian, diese Debatte auch hier anzustoßen. Damit sind wir ziemlich einzigartig im deutschsprachigen Raum.

Ist der Meridian auch für Laien geeignet?

Wir machen die Erfahrung, dass Laien die Themen und Artikel zwar interessant finden, aber dann doch nicht bei allen Artikel in die gesamte Tiefe mitgehen können. Daher gilt für uns: Die Mischung macht’s. Wir haben auch Artikel und Schwerpunkte, die sich an Einsteiger richten, doch sollte man schon die Basics kennen: Tierkreis und Planeten. Als Fachmagazin richten wir uns eben an Menschen, die Astrologie aktiv betreiben und nicht nur wissen wollen, wann ihr „Sternzeichen“ das nächste Liebesglück erhoffen darf.

Wie viele Leser hat der Meridian?

Eigentlich schwer zu sagen. Er hat eine Druckauflage von knapp 3000 Exemplaren, die auch verkauft werden. Wir hören immer wieder, dass die Hefte von den Abonnenten auch noch an andere Leser weitergereicht werden; also gibt es offenbar mehr Leser/innen als Abonnent/innen. Außerdem haben wir das Online-Archiv, wo man gezielt Artikel für kleines Geld downloaden kann.

Ist er am Kiosk erhältlich?

Am Kiosk gibt es ihn nicht, er wird nur im Sternwerkstatt-Verlag von Martin Garms vertrieben. Martin Garms ist nach dem Ausscheiden von Markus Jehle auch der Herausgeber und darüber hinaus für Satz, Grafik, Internet und eben alle unternehmerischen Entscheidungen zuständig. Wie ich von ihm weiß, ist die Kiosk-Distribution sehr teuer. Wir müssten hohe Auflagen „auf Halde“ drucken und Hefte, die nicht verkauft würden, würden dann vernichtet werden. Das ist ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll. Einzelhefte müssten dann weit mehr als der momentane Preis von 8,- EUR kosten, Das Abo bekommt man derzeit für 44,- EUR, Mitglieder des DAV erhalten 10 % Rabatt. Ein Probeabo gibt es schon für 17,50 Euro.

Apropos: Die Zeitschrift ist auch mit dem DAV verknüpft aber nicht dessen Organ. War sie das mal?

Beide Institutionen sind zwei wichtige Säulen der deutschsprachigen Astrologie-Szene. Martin Garms und Markus Jehle war eine enge Anbindung an den DAV bei ihrem Beginn sehr wichtig. Man hat dann nach Kooperationsmodellen gesucht. Dadurch hat der DAV seine eigene, noch heute existierende Plattform im Heft bekommen: Der DAV präsentiert sich im Meridian mit eigenen Autor/innen; die DAV-Texte werden vom Meridian nicht redigiert. Das handhabe ich auch weiter so. Die Nähe zum DAV, ohne aber direkt mit ihm verbunden und damit bestimmten Verbandsinteressen unterworfen zu sein, ist genau das, was journalistische Freiheit ermöglicht, die ich dem Meridian auch für die Zukunft wünsche. In den 90ern wurde das Meridian-Abo, das alle DAV-Mitglieder kostenlos erhielten, auf Wunsch des DAV abgeschafft. Uns war aber wichtig, dass der DAV und der Meridian sich gegenseitig unterstützten. Daher erhalten auch heute noch die DAV-Mitglieder die oben genannte Vergünstigung.

Als Autorin merke ich, dass du dich sehr für uns engagierst. Beispielsweise durch Rundbriefe, die du regelmäßig verschickst und die viele Tipps für Autoren enthalten. Wie bist du eigentlich selbst zum Schreiben gekommen?

Ich schreibe soweit ich zurückdenken kann. Meine ersten Artikel habe ich mit 16 Jahren verkauft. Später habe ich einige Schulungen im journalistischen Bereich gemacht, für verschiedene Printmedien geschrieben, auch im Hörfunk gearbeitet und verschiedene Fachartikel und Belletristik verfasst. Als Astrologe habe ich auch schon immer viele Texte veröffentlicht. Das Wort ist mir sehr wichtig. Das ist auch der Grund warum ich den Kontakt zu den Autoren halte. Ich will, dass die Artikel nicht nur inhaltlich brillant und interessant, sondern auch sprachlich spannend und ansprechend zu lesen sind. Meine Rundbriefe liefern dazu Ideen und Tipps und zeigen, was mir als Chefredakteur wichtig ist.

Was muss ich tun, wenn ich Autor/in werden möchte?

Als erstes Kontakt mit mir aufnehmen. Ich freue mich über jede Idee, weil ich davon überzeugt bin, dass es da draußen viele Ideen und Menschen gibt, die etwas zu berichten haben. Wichtig ist, erst einmal anzurufen und nicht gleich einen fertigen Text zu schicken, einfach deswegen, weil sonst Formatvorgabe und Arbeitsprozesse nicht eingehalten werden. Dann muss das mühsam wieder geändert werden. Oder ich habe vielleicht bereits einen Autor für das Thema und dann kann der Artikel nicht veröffentlicht werden, weil nicht zwei über dasselbe schreiben sollten.
Du scheinst viel Energie in Online-Aktivitäten zu stecken. Was ist da noch so geplant?

Wir haben jetzt erst mal unsere Facebook-Seite in den Vordergrund gestellt, weil dadurch eine sehr wichtige Funktion für meine Arbeit ermöglicht wird, nämlich Rückmeldung. Bisher wurde das Abo verschickt und dann kommt manchmal ein Brief, meistens wenn sich Leute über etwas ärgern oder eine andere Sicht haben. Da wir ein Heft produzieren wollen, dass den Lesern Freude macht, sind wir drauf angewiesen mehr darüber zu wissen, was die Leute beschäftigt. Da bietet sich FB mit seinem Likes oder Kommentaren an. Wir machen das erst ein knappes halbes Jahr und sammeln Erfahrungen. Die müssen wir auswerten, bevor wir etwas Neues angehen.

Und auf welche kommenden Schwerpunktthemen und neue Rubriken oder Autoren können sich Leser/innen bald freuen?

Es gibt ja bereits neue Rubriken, zum Beispiel den Mundan-Review. Stefan Hofbauer analysiert dabei in Kurzform politische gesellschaftliche und wirtschaftliche Ereignisse der letzten zwei Monate. Das kommt sehr gut an, wird viel gelesen und kommentiert. Im nächsten Heft erscheinen Beiträge von amerikanischen Kolleg/innen. Zum einem ein Interview mit der kanadisch-amerikanischen Koryphäe Erin Sullivan und ein Artikel über Queer-Astrology von Barry Perlman, bekannt als Astro-Barry, zwei Spezialisten in ihrem Fach. Gern möchte ich da noch mehr machen. Das ist aber ein wenig komplizierter, weil neben Autorenhonoraren auch Übersetzungsgebühren anfallen. Wir schauen dennoch in anderen Ländern und suchen nach Kooperationen. Beispielsweise ist einer unserer Artikel von Heidi Treier mit dem Titel „Transformationsprozesse im Horoskop – Krisen im Kontext des Mars-Zyklus“ gerade in der dänischen Astrologie-Onlinezeitschrift Astrologikon erschienen. Das wird sich alles nur Step by Step entwickeln. Da bin ich auch auf Mithilfe aus unseren Reihen angewiesen, also auf Kolleg/innen, die vielleicht bei Kongressen unterwegs waren oder andere interessante Infos haben. Aufmerksame Leser/innen haben bereits bemerkt, dass wir regelmäßig über Kongresse anderer Länder berichten.

Möchtest du noch noch etwas sagen?

Erst einmal nicht außer: vielen Dank für das Interview! Für die weitere Meridian-Zeit habe ich einen Sack voller Ideen, über die ich noch nichts verraten möchte. Ich persönlich fände es ganz wunderbar, den Meridian auch monatlich erscheinen zu lassen. Spannende Themenschwerpunkte und inspirierende Artikel hätte ich dafür mehr genug – und Astrologie ist ja eh ein weites Feld…

8. Juni 2017
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Sechs der Schwerter – Gefühl und Verstand

Die »Sechs der Schwerter« im Tarot von Carl W. Röhrig. Rechte beim Aquamarin-Verlag

Wir leben schon in spannenden Zeiten. Da fordern rationale Skeptiker immer stärker die wissenschaftliche Belegbarkeit des „Funktionierens“ spiritueller Disziplinen als ultimativen Beweis ihrer Seriosität und Sinnhaftigkeit.
Gleichzeitig muss die verstandesgelenkte Wissenschaft zunehmend eingestehen, dass Empirie und wertneutrale Sachbezogenheit uns bei der Suche nach objektiver Wahrheit und nach Erklärungen für die Wunder des Lebens letztendlich auch nicht weiter bringen. Nicht nur in diesem hoch aktuellen Zusammenhang ist es lohnend, die philosophische Sechs der Schwerter eingehender zu betrachten. Denn diese Tarotkarte hat uns viel über die fruchtbare Verbindung von Wissenschaftlichkeit und Spiritualität zu erzählen. Das liegt sicher nicht nur daran, dass sie wie alle Sechser der Kleinen Arkana von Trumpf VI, Die Liebenden, beeinflusst wird, der die Themen Harmonie durch Herzensentscheidung, Verbindlichkeit und Aufbruch ins Spiel bringt. Sämtliches Schlagworte, die das Waite-Smith Deck visuell verarbeitet.

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18. Mai 2017
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Sinn & Sinnlichkeit – Seelischer Frühjahrsputz für rationale Liebeswonnen

„Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.“
Heinrich Heine, Das Buch der Lieder

Öffnet sich uns allen nicht das Herz im duftenden Wonnemonat? Die dunklen Wintertage und das unbeständige Aprilwetter sind nun hoffentlich vorbei. Hier heute in Hamburg ist der Mai allerdings noch nicht ganz so entschieden. Dennoch: Der Frühling steht in voller Blüte und die Hormone kommen wieder ordentlich ins Fließen. Nun haben Romantik, Flirt und hoffnungsfrohes Werben Saison. Eine Zeit also, auf die sich besonders die Singles unter uns freuen. Was bietet sich daher besser an, als das Legesystem des Monats der Hohepriesterin der Liebesromane – meiner Lieblingsschriftstellerin Jane Austen – zu weihen.

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11. Mai 2017
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Der Hierophant 
 – an der Schwelle zum Unbekannten

Nicht nur für Tarot-Einsteiger, auch für erfahrene Deuter nimmt sich die konkrete Aussage von Trumpf V in Legungen häufig wie ein Buch mit sieben Siegeln aus, ebenso schwer entschlüsselbar wie sein rätselhafter Titel „Der Hierophant“. Eigentlich nicht wirklich verwunderlich, denn dieses fürwahr Große Arkanum (lat. Geheimnis) droht damit, uns aus unserer materiellen Sicherheit, aus dem ruhigen, wohl geordneten Reich des Herrschers zu zerren, hinein in einen vibrierenden Kosmos, in dem wir Eigenverantwortung übernehmen und uns von eingetrichterten Weisheiten, die nicht unsere eigenen sind, verabschieden sollen. Vielleicht gezwungen werden könnten, einen Schritt Richtung Erwachsen werden machen zu müssen.

Aufbruch ins Unbekannte

Der Hierophant aus dem Waite-Smith Tarot (© www.koenigsfurt-urania.de) und die 5er der kleinen Arkana.

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