Tarotwissen

Tarot, Astrologie, kreatives Schreiben

Ja! oder Nein? – das ist hier die Frage

Viele Menschen, die eine Beratung bei mir buchen, stellen mir Fragen wie: „Werde ich mit ihm zusammen kommen?”, „Werde ich die Rente erhalten?”, „Werde ich den Job bekommen?” Diese eindeutigen „Ja“/„Nein“-Fragen stellen mich stets vor eine besondere Herausforderung. Einerseits verstehe ich das Bedürfnis von Fragenden, eine klare (und seien wir ehrlich, unbedingt positive) Antwort auf ein Herzensanliegen zu erhalten. Andererseits will ich, da ich nicht allwissend bin, nur Tendenzen, voraussichtliche Hindernisse oder fördernde Umstände bezüglich einer Situation mit Hilfe der Karten erkennen. Denn durch eine eindeutige Antwort wird den Fragenden die Möglichkeit genommen, das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Daher bin ich der festen Überzeugung, dass eine Frage nach dem „Wie ist mein Ziel zu erreichen?“ bei einem Projekt oder Wunsch wesentlich hilfreicher als eine konkrete Ja/Nein-Antwort ist. Normalerweise erarbeite ich dann auch eine lösungsorientiere Fragestellung, bevor ich die Karten mische.

Dennoch – und das ist das etwas Schizophrene – ist es meine Erfahrung, dass jede Kartenlegung – ob nun aufgrund einer geschlossenen oder offenen Fragestellung ausgelegt – auch immer eine Ja/Nein-Antwort, also ein „eher nicht“ oder „unbedingt“, bereithält, zumeist in der Ergebniskarte. Ich halte es also für durchaus möglich, „Ja“ oder „Nein“ aus einer Kartenlegung abzulesen. Auch andere Kartenleger/innen haben das natürlich erkannt. So entstand beispielsweise das Entscheidungsspiel, das bei einer Entweder/Oder-Fragestellung jeweils eine Karte für „Nein/Entweder“ oder „Ja/Oder“ verwendet, um dann aus den beiden gezogenen Bildern den „besseren“ Weg abzuleiten.

Ich bin allerdings auch keine Heilige und kenne die Begierde, die Resultate einer meiner Handlungen im Voraus bestätigt zu bekommen. Schließlich ist es nur allzu menschlich, wissen zu wollen, ob etwas, was man sich vorgenommen hat, realisiert werden kann oder sich eine lang gehegte Hoffnung endlich erfüllt. Daher war ich sehr froh, als ich auf die Legeweise stieß, die ich heute vorstellen möchte. Ich gehe davon aus, dass du dir gut überlegst, auf welche Fragen du auch ein „Nein“ ertragen können, bevor du zu den Karten greifst. Denn dies kann bei einer Ja/Nein-Legung immer geschehen.

Das Legesystem „Ja“ oder „Nein“ wurde mir von einer ehemaligen Freundin, Stephanie, vorgestellt. Die verspielte Legung eignet sich hervorragend zur schnellen Beantwortung einer brennenden Frage und funktioniert sowohl mit Tarot als auch mit sämtlichen Orakelkarten.Noch besser: Der oder die Fragende muss sich nicht einmal auf die Kunst der Kartendeutung verstehen, um bei dieser Legeweise eine klare Aussage zu erhalten. Sie eignet sich daher hervorragend für Anfänger. Aber natürlich auch für Profis ist aussagekräftiger Spaß vorprogrammiert.

Bereits beim Mischen stellt diese Legung herkömmliche Vorgehensweisen auf den Kopf. Die 78 Tarot- oder 36 Orakelkarten werden nämlich auf dem Tisch oder Boden mit beiden Händen ordentlich „durchgerührt“, damit sie sich sowohl „richtig“ als auch „verkehrt“ drehen können, bevor sie wieder zu einem verdeckten Stapel zusammen geschoben werden. Bei Kartendecks, deren nur nach einer Seite ausgerichteten Rückseite keine umgedrehten Karten zulassen, musst du dich dann entscheiden, was für die Befragung als „oben“ und als „unten“ gelten soll. Aber auch ansonsten solltest du  dir vorab klar darüber sein, welche Seite für dich die „aufrechte“ ist. Im nächsten Schritt wird nun einfach ausgezählt: Bei Tarot wird jede 13. Karte, also Nummern 13, 26, 39, 52, 65, und 78, aus dem Stapel herausgezogen und unaufgedeckt auf den Tisch gereiht. Bei Orakelkarten wird jede 6. Karte (Nummern 6, 12, 18, 24, 30 und 36) aus dem Stapel genommen. Stellst du am Ende des Auszählens fest, dass du dich verzählt hast, ist die Auslage als ungültig zu betrachten und muss noch einmal von vorne begonnen werden. Ansonsten werden die aussortierten Karten nun umgedreht. Ob die Antwort auf deine Frage ja oder nein lautet, ergibt sich wie folgt:

5 oder 6 Karten aufrecht: ein klares Ja
3 oder 4 Karten aufrecht: ein eingeschränktes Ja
2 oder 3 Karten aufrecht: eher Nein
0 oder eine Karte aufrecht: ein klares Nein

Hier kannst du die Legung bereits beenden. Du kannst aber auch die gezogenen Karten interpretieren, um den Grund für das Ja oder Nein zu erfahren.

Autor: Tarotwissen

I have been working with Tarot and Astrology for many years full-time and self-employed, teaching and counceling. I am also publishing books and articles about spiritual subjects. My main focus is: How to use ancient disciplines in our modern times. Since 2013 I have been president of the German Tarot Association: Tarot e.V. (www.tarotverband.de)

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